2025. Varese. Via Cavallotti 4. Öffentliche Installation.
Im Juni entsteht mitten in der Fußgängerzone von Varese, in der Via Cavallotti 4, eine neue Initiative für Kunst im öffentlichen Raum, die zeitgenössische Kunst und Stadtraum verbindet. Das Projekt wird von Showcases Gallery in Zusammenarbeit mit dem Künstler Carlo Buzzi initiiert.
Der Kurzschluss des Sinns
An einer belebten Ecke im Zentrum von Varese verwandeln sechs Schaukästen das Stadtbild in ein visuelles Rätsel, eine poetische Provokation, die Wahrnehmung und vertraute Bildkultur herausfordert. Die Installation von Carlo Buzzi erscheint als Galerie unter freiem Himmel, in der sich Kunst, Ironie und Philosophie in einem Spiel freier Assoziationen, unerwarteter Anklänge und semantischer Kurzschlüsse vermischen.
Jeder Schaukasten ist eine paradoxe Aussage: Mondrian wird als Huhn wiedergeboren; Van Gogh nimmt die Gestalt einer Reibe an; Picasso wird zur Toilettenbürste. In diesen Verbindungen liegt weder Spott noch Blasphemie, sondern eine Geste der Umkehrung: Hohes und Niederes, Ikone und Alltagsgegenstand, Genie und Banalität verschmelzen zu einer Reflexion über den Konsum von Bildern und die Mythologie der Kunst.
Diese „visuellen Gleichungen“ lassen sich nicht mit einem einzigen Schlüssel entziffern, sondern wollen mit neugierigem und kritischem Blick erkundet werden. Sie tragen ein dadaistisches Erbe, einen Nachklang der Pop-Art und eine konzeptuelle Ader, die die museale Ehrfurcht erschüttert: Hier verlässt die Kunst ihren Rahmen und gleitet in die gelebte Erfahrung.
Der QR-Code in einem der Schaukästen führt die Betrachtenden in eine andere, scheinbar entfernte und doch schlüssige Dimension: zur Wikipedia-Seite über Gorgias von Leontinoi, den griechischen Sophisten, für den nichts existiert; selbst wenn etwas existierte, wäre es nicht erkennbar; und selbst wenn es erkennbar wäre, wäre es nicht mitteilbar. Dies ist das philosophische Zentrum der Installation: eine Einladung, die Beständigkeit der Bedeutung anzuzweifeln und über die Unmöglichkeit absoluter Wahrheit in Bildern und Worten nachzudenken.
Zum Abschluss des Rundgangs zeigt sich der Künstler selbst im Gewand eines Ordensbruders, in einer Pose, die ausdrücklich an Padre Pio erinnert. Es ist ein Akt der Nachahmung und Verkleidung, zugleich aber ein ironisches und kritisches Selbstporträt: Buzzi tritt als „weltlicher Heiliger“ auf, der das Ritual der Mehrdeutigkeit vollzieht und für eine Kunst einsteht, die keine Antworten beansprucht, sondern Fragen aufwirft.
Die Installation in der Showcases Gallery ist somit mehr als eine Ausstellung: Sie ist ein Eingriff in die Sprache, eine Sabotage des Vorhersehbaren, eine Aktion, die die Krise des Sinns als befreiende Möglichkeit inszeniert. Kunst lehrt nicht, tröstet nicht und beruhigt nicht: Vielmehr desorientiert sie, wie ein antiker Philosoph, ein falsches Bild oder eine unechte Reliquie. Gerade in dieser Verunsicherung öffnet sich der Raum für eine neue Sichtweise.
Showcases Gallery
Die von Franco Crugnola Studio di Architettura entwickelte Showcases Gallery versteht sich als „verteilte Galerie“, eingebettet in das Stadtgefüge und für alle zu jeder Tages- und Nachtzeit sichtbar. Die Idee entstand aus dem Wunsch, einen dynamischen und zugänglichen Ort zu schaffen, der neue künstlerische Ansätze der Region untersucht und durch eine unmittelbare, ansprechende Bildsprache die alltägliche Teilhabe an Kultur fördert.












